Neben der Verbreitung als dekorative Topf- und Kübelpflanze findet die Myrte seit Alters her Verwendung als Brautschmuck, daher auch der Name Brautmyrte. So trug früher die Braut einen Kranz aus Myrtenzweigen. Heute ist dieser Brauch zur Hochzeit seltener geworden, aber der beim Silbernen und Goldenen Ehejubiläum getragene Silber- und Goldschmuck stellt auch heute noch meist einen Myrtenzweig dar.

Goldschmuck zum 50-jährigen Ehejubiläum
In ihrem Herkunftsgebiet wird die Myrte mitunter zum Würzen von Speisen verwendet. So dienen die Beeren als Pfefferersatz und mit den frischen Blättern werden Fleischgerichte gewürzt. Wegen ihrer Bitterkeit sind die Blätter jedoch vor dem Verzehr zu entfernen. Eine weitere Möglichkeit ist das Aromatisieren von gegrilltem Fleisch, indem man Myrtenlaub in die Glut streut. Vom römischen Schriftsteller Plinius (ca. 23 - 79 n. Chr.) ist überliefert, dass er als Delikatesse Wildschweinbraten mit Myrtensauce liebte. Schon vor Plinius werden in einem Kochbuch von Marcus Gavius Apicius (geb. ca. 25 v. Chr.) Myrtenbeeren als Gewürz für Fleisch und Saucen erwähnt (siehe Rezepte).
Die Beeren werden außerdem zu hervorragenden Likören verarbeitet. Es gibt dunkle und klare Sorten. Recht berühmt ist der korsische Myrtenlikör „Myrtine“. Es gibt auch einen Sekt aus Sardinien, den „Myrtus Dolce Spumante“, der mit Myrtenbeeren aromatisiert wird. Weiterhin gibt es Gelees aus Myrtenbeeren (siehe Rezepte).

Das Öl der Myrte ist in der Parfüm-Industrie als Engelswasser bekannt. Außerdem wirkt es antibakteriell, entzündungshemmend, hautreinigend, schmerzlindernd sowie schleimlösend bei Erkrankungen der Atemwege. So sind Wirkstoffe aus Myrtenblättern in Medikamenten gegen Erkrankungen der Bronchien enthalten. Seit wenigen Jahren werden auch bestimmte Substanzen, die in der Myrte enthalten sind, auf ihre Wirksamkeit gegen Krebszellen untersucht; anscheinend recht vielversprechend, denn inzwischen wurde mindestens ein Patent darauf angemeldet.
Die Inhaltsstoffe der Myrtenblätter sind verschiedene ätherische Öle mit einem Anteil von 0,1 bis 0,8%. Die Zusammensetzung des Öls kann, je nach Herkunft, natürlichen Schwankungen unterlegen sein. Als Richtwerte können die Daten aus dem Analysezertifikat gelten, welches von www.nature.de veröffentlicht wurde (siehe Inhaltsstoffe).
Als Duftöl bzw. als Räucherwerk fördert die Myrte die Reinigung von Räumen, sorgt für geistige Klarheit, Aufmerksamkeit und Konzentration, gibt Mut und Selbstvertrauen und erleichtert die Meditation.

Myrten-Duftöl
getrocknete Pflanzenteile, v.l.: Beeren, Rinde und Blätter
Das in den Blättern enthaltene ätherische Öl ist nach [22] schwach giftig. Es kann in größeren Mengen (mehr als 10 ml) eingenommen Kopfschmerzen, Übelkeit und Verdauungsstörungen hervorrufen und den Urin violett verfärben.
Die Verwendung zum Parfümieren der Räume (siehe Geschichte) hat heutzutage keine Bedeutung mehr. Im Mittelmeerraum werden u.a. bei Volksfesten zu Ehren der Schutzheiligen der jeweiligen Orte Myrtenzweige und -girlanden als schmückendes Beiwerk eingesetzt.


Myrtenzweige bei einem Volksfest auf Mallorca


Myrtenzweig am Eingang des Klosters Kalopetras auf Rhodos
Auf dieser Seite finden Sie zahlreiche Mikroskopaufnahmen, hauptsächlich von Blütenpollen, aber auch einiger anderer Pflanzenteile. Nach der namensgebenden Brautmyrte (Myrtus communis) folgen, alphabetisch geordnet, weitere Arten der Myrtengewächse (Myrtaceae).
Es handelt sich dabei sowohl um Aufnahmen mit dem Lichtmikroskop als auch mit dem Rasterelektronenmikroskop. Letztere sind aufgrund der verwendeten Technik immer Graustufenbilder. Gelegentlich werden diese mittels Bildbearbeitung nachträglich eingefärbt, um bessere Kontraste zu erzielen, einzelne Merkmale hervorzuheben oder aus rein künstlerischen bzw. ästhetischen Gründen.
Pollen von Myrtus communis
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Pollen im Lichtmikroskop (Dr. Edith Bucher, Bozen)
Die Blütenpollen der Myrte sind in der Polansicht dreieckig sowie in der Seitenansicht oval. Die Größe beträgt in der Polachse durchschnittlich 11 µm mit Schwankungen zwischen 10,9 µm und 11,9 µm. Der Äquatordurchmesser schwankt zwischen 13,8 µm und 16,8 µm und beträgt im Durchschnitt 15,6 µm. Bei der äußeren Struktur handelt es sich um tricolporate (mit 3 Öffnungen in der Pollenwand), meist syncolpate (Öffnungen sind an den Enden miteinander verschmolzen) Pollen mit schmalen Keimspalten und etwa 2-3 µm großen Keimporen. Die Pollenwand ist insgesamt etwa 1 µm dick und besteht aus einer sehr dünnen, psilaten (glatte Oberfläche) bis scabraten (Oberflächenstrukturen sind kleiner als 1 Mikrometer) Exine (äußere Schicht der Pollenwand) sowie einer dünnen Intine (innere Schicht der Pollenwand). Sie verdickt sich unterhalb der Keimporen und quillt dort hervor. Ähnliche Pollen finden sich beim Eucalyptus.
(Quelle: www.polleninfo.org - Dr. Siegfried Jäger, HNO Klinik der Medizinischen Universität Wien;
Erklärung der Fachbegriffe: Seite der Universität Bern)
Pollen im optischen Schnitt
Exineskulptur, Keimöffnungen
Ausschnittsvergrößerung
Ausschnittsvergrößerung(Quelle Fotos: Biologisches Labor der Umweltagentur Bozen, Dr. Edith Bucher)
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Pollen im Elektronenmikroskop (Dr. Constantin Hoch / Viola Duppel, Stuttgart)
Die Bilder wurden freundlicherweise von Dr. Constantin Hoch und Viola Duppel vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart zur Verfügung gestellt. Weitere Pollenbilder anderer Pflanzen finden Sie unter http://pollen.jimdo.com/.
Nachbearbeitete und eingefärbte Fotos:

Breite des Pollenkorns: 14 µm
Die grün eingefärbten Auswüchse sind die Ansätze der Pollenschläuche.
Größenvergleich verschiedener Blütenpollen.
obere Reihe v. l.: Zimt (7,5 µm), Alpenveilchen (14 µm), Myrte (14 µm), Aster (22 µm)
mittlere Reihe v. l.: Basilikum (52 µm), Buchweizen (38 µm)
unten: Madonnenlilie (110 µm)Originalaufnahmen:







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Pollen im Elektronenmikroskop (www.paldat.org)
Myrtus communis, hydrated pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, polar view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, equatorial view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, aperture, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, exine surface, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, polar area, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Myrtus communis, dry pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Blatt und Stängel im Lichtmikroskop (eigene Aufnahmen)
Die Nadel auf den Bildern ist Bestandteil des Mikroskop-Okulars und markiert lediglich die sichtbare Bildmitte.

Auf diesem Bild eines jungen Blattes sind deutlich die mit ätherischem
Öl gefüllten Zellen als helle Punkte erkennbar. (Blattbreite ca. 3 mm)
Stielquerschnitt, Durchmesser ca. 1 mm
Blattquerschnitt, Dicke ca. 0,3 mm
Pollen weiterer Arten der Myrtengewächse
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Acca sellowiana (www.paldat.org)
Acca sellowiana, polar view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Acca sellowiana, equatorial view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Acca sellowiana, aperture, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Acca sellowiana, polar area, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Acca sellowiana, exine surface, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Acca sellowiana, dry pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Callistemon citrinus (www.paldat.org)
Callistemon citrinus, hydrated pollen, photographer Auer, W.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Callistemon coccineus (www.paldat.org)
Callistemon coccineus, polar view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon coccineus, equatorial view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon coccineus, polar area, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon coccineus, aperture, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon coccineus, exine surface, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon coccineus, dry pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Callistemon comboynensis (www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, hydrated pollen grain, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, polar view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, equatorial view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, aperture, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, exine surface, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, tenuitas, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, polar area, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Callistemon comboynensis, dry pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Eucalyptus ficifolia (www.paldat.org)
Eucalyptus ficifolia, hydrated pollen, photographer: Heigl, H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Eucalyptus globulus (www.paldat.org)
Eucalyptus globulus, hydrated pollen, photographer: Heigl, H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Eucalyptus maculata (Dr. Constantin Hoch / Viola Duppel, Stuttgart)
Die Bilder wurden freundlicherweise von Dr. Constantin Hoch und Viola Duppel vom Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart zur Verfügung gestellt. Weitere Pollenbilder anderer Pflanzen finden Sie unter http://pollen.jimdo.com/.
Nachbearbeitetes und eingefärbtes Foto:
Breite des Pollenkorns: 20 µm
Originalaufnahmen:

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Melaleuca armillaris (www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, polar view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, equatorial view, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, aperture, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, exine surface, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, polar area, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Melaleuca armillaris, dry pollen grains, photographer Halbritter H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Melaleuca hypericifolia (www.paldat.org)
Melaleuca hypericifolia, hydrated pollen, photographer: Heigl, H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org) -
Metrosideros excelsa (www.paldat.org)
Metrosideros excelsa, hydrated pollen, photographer: Heigl, H.,
PalDat – a palynological database (2000 onwards, www.paldat.org)
Die Myrte ist immergrün und besitzt reich verzweigte Äste. Die kleinen dunkelgrünen, ledrigen, schmal eilanzettlichen, spitz zulaufenden Blätter sitzen kreuzgegenständig an den Zweigen. Die Blüten, die sich von Juni bis August reichlich entfalten, sind meist weiß und verströmen einen intensiven Duft.

Nach der Blütezeit trägt die Myrte kurz gestielte, blauschwarze, etwa johannisbeergroße Früchte, die z.T. bis über 30 Samen von 2 bis 3 Millimeter Größe enthalten (siehe auch Kapitel Vermehrung). Die Früchte sind essbar, aber nur von regionaler wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Heimat der Myrte ist das Mittelmeergebiet. Dort ist sie, je nach Standortbedingungen, als mehr oder weniger großer Strauch bzw. kleiner Baum weit verbreitet anzutreffen. Sie wächst dort gemeinsam mit Rosmarin und anderen niedrigen Sträuchern als typischer Vertreter der Macchie. Diese Landschaftsform ist nach dem Abholzen der ursprünglichen Wälder im Mittelmeerraum entstanden.
Heutzutage gibt es eine Reihe von Zierformen der Myrte. Myrtus communis 'Microphylla' (Zwergmyrte) wird nicht höher als 60 cm. Ihre Blätter sind nur 2 cm lang. Eine weitere Zwergform ist Myrtus communis 'Compacta'. Myrtus communis 'Variegata' besitzt spitz zulaufende, 5 cm lange, cremeweiß geränderte Blätter. Die Blüten von Myrtus communis 'Flore Pleno' sind weiß und gefüllt, Myrtus communis 'Tarentina' hat cremeweiße Blüten und nadelförmige Blätter. Weiterhin gibt es eine Vielzahl von Sorten, die sich von der ursprünglichen Art durch kleine Besonderheiten unterscheiden. Bekannt sind z.B. 'Hamburger Brautmyrte', 'Königsberger Brautmyrte' oder 'Gruß aus dem Ehrental'.
Die in Baumschulen und Gartencentern erhältlichen Myrten sind meist von der Sorte 'Microphylla'. Die im Mittelmeerraum beheimateten Pflanzen haben größere Blätter, die etwas spitzer zulaufen. Diese großblättrige Form wird auch als 'Griechische Myrte' bezeichnet. Der Unterschied ist auf den folgenden Bildern deutlich zu erkennen:


Blütendiagramm

Blütenformel

Erklärung:
| ↓ | - | zygomorphe Blüte, d.h. es gibt nur eine Symmetrieachse |
| K5 | - | 5 Kelchblätter |
| C5 | - | 5 Kronblätter |
| A∞ | - | viele Staubblätter |
| G(9) | - | 9 zum Fruchtknoten verwachsene Fruchtblätter |



